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Die Jahre des SC Germania und des Hamburger FC 1888 von 1887 bis 1918

Der 29.September 1887 gilt offiziell als das Gründungsdatum des Hamburger SV. An diesem Tag schließen sich der Hohenfelder SC und der Wandsbek-Marienthaler SC zum SC Germania zusammen. Beide Clubs wurden bereits 1884 gegründet und betrieben unter anderem auch Leichtathletik.

Am 01. Juli 1894 findet in Hamburg die erste "Meisterschaft vom Kontinent" über 100 Yards statt. Hier gewinnt Max Tiedmann vom SC Germania in 10,4sec und wird damit der erste Leichtathletet des HSV, der eine Meisterschaft erringt.

Am 29. September 1895 erringt J.W. Stürken bei der "Meisterschaft von Deutschland" den Titel über 100 Yards in 10,8sec.

Zu den ersten Olympischen Spielen der Neuzeit reist auch ein Hamburger Leichtathlet. Friedrich Traun (Jahrgang 1876) vom SC Germania startet über 800m, scheidet allerdings als Vorlaufdritter aus. Nach seinem Ausscheiden beteiligt er sich noch am Olympischen Tennisturnier. Mit dem Einzel-Olympiasieger J.P. Boland spielt er Doppel und gewinnt gegen das griechische Doppel mit 6:2 und 6:4 und wird Olympiasieger!

1898 wird die "Deutsche Sportbehörde für Athletik" in Berlin gegründet, so daß offizielle Deutsche Meisterschaften ausgetragen werden können. Ausgetragen wurden nur drei Wettbewerbe, die an unterschiedlichen Orten stattfanden. Die Disziplinen: 100m, 200m und 1500m. Erst ab 1906 wurden die Deutschen Meisterschaften zentral an einem Ort ausgetragen. Der allererste Meistertitel über 1500m geht 1898 an den SC Germanina: Francis Duhne siegt in 4:26,2min. Diese Zeit wird als offizieller Deutscher Rekord geführt. Germania-Athlet Waldemar Steffen überspringt bei einer anderen Veranstaltung auf der Eisbahn am Dammtor 1,84. Da er aber wohl nur über eine Schnur gesprungen ist, wird diese Höhe nicht als Deutscher Rekord nicht anerkannt.

Arthur Techtow, Jahrgang 1879, gewann 1898 in Leipzig den ersten Marathonlauf in Deutschland. Damals startete er allerdings noch für den B.F.V. Arminia-Urania zu Berlin. Das Foto zeigt ihn 1928, als er 30 Jahre nach seinem historischen Sieg noch einmal Marathon lief. Techtow kam 1912 zum HSV, bzw. zu einem der Gründungsvereine.


1900 stehen wieder Olympische Spiele auf dem Programm. Auch zwei Germania-Athleten haben sich für die Spiele in Paris qualifiziert. Francis Duhne wird jeweils sechster in den Hindernisläufen über 2500m und 4000m, Waldemar Steffen wird sechster im Hochsprung mit 1,70m.

Hermann Friese gewann im Jahre 1902 die Deutsche Meisterschaft über 1500m.

In den Jahren 1905 bis 1908 verlor der SC Germania seine Vormachtstellung in Hamburg. Fußball wurde zur Sportart Nr. 1. Da in der damaligen Zeit viele Fußballer im Sommer Leichtathletik betrieben, übernahmen die führenden Fußballvereine die führende Stellung in der Hamburger Leichtathletik. Unter ihnen auch der HFC 1888, der auch später zu den Gründungsmitgliedern des HSV zählte. Für den HFC konnte George Zimmer neue Rekorde über 1500m und 3000m aufstellen. 1908 wird Ivar Ryberg für den HFC Deutscher Vizenmeister im Diskuswurf.

1909 wird erstmals die Alsterstaffel ausgetragen. Jede Mannschaft bestand auch 16 Läufern, die jeweils 400m zurücklegen mussten. Insgesamt 112 Läufer nahmen an der Auftaktvernatsaltung teil. Es gewann der HFC 1888!

1911 wird der Hamburger Verband für Leichtathletik (H.V.f.L.) gegründet.

1917 gewinnt Arthur Reinhardt (HFC 1888) bei den deutschen Kriegsmeisterschaften die Deutschen Meistertitel über 100m und 200m. 1918 gewinnt er ebenfalls und stellt einen neuen Hamburger Rekord über 200m in 21,8sec auf, der erst 1933 verbessert wird.

 

1919: Gründung des Hamburger SV

Am 01. September 1919 schließen sich der SC Germania, der Hamburger FC 1888 und der FC Falke zum Hamburger SV zusammen.
Der SC Germania war bei seiner Gründung im Jahre 1887 der führende Leichtathletik-Verein in Hamburg. Der HFC stand ihm allerdings vor allem ab 1905 in nichts nach. Der neue Verein gehörte wurde wieder zur Nr. 1 von Hamburg und gehörte zu den Top-Clubs in Deutschland.

Ein wichtiges Jahr war 1919 auch für die Frauen: Es wurde beschlossen, daß auch Frauen künftig an Leichtathletik-Wettbewerben teilnehmen durften.




1920 bis zum Ende des 2. Weltkrieges

Am 21. November 1920 findet ein 20km-Lauf durch die Straßen Hamburgs statt. In 1:12:52Std
ist Willi Dreckmann vom HSV der überragende Mann. Der 20jährige war schon bei den Deutschen Meisterschaften im Marathon überraschend zweiter geworden.

Die seit 1906 zentral durchgeführten Deutschen Meisterschaften werden am 20. und 21. August 1921 erstmalig in Hamburg ausgetragen. Auf der Sportanlage Hammer Park verfolgen 8000 Zuschauer die 17 Männer- und 4 Frauenwettbewerbe. Willi Dreckmann ist der erfolgreichste Hamburger Athlet. Er wird über 10.000m und im Marathon jeweils Deutscher Vizemeister.

1922 stellt Wilhelm Husen einen neuen Deutschen Rekord über 5000m auf. In 15:36,5min wird er auch Deutscher Meister.

1923 wird der HSV vom Deutschen Verband für Athletik als bester deutscher Verein bezeichnet. Grundlage hierfür ist die 10er-Bestenliste.

1926 fanden im Volkspark die Norddeutschen Meisterschaften statt. Im beidarmigen Speerwurf errang der HSV'er Schmorl die Meisterschaft. Er erreichte zusammen 84,71m. Über 100m und 200m gewann Dr. Reinhardt in 11,1sec und 22,6sec.

1928 fanden in Amsterdam die Olympischen Sommerspiele statt. Vom HSV war Richard Krebs am Start, der mit der 4x400m-Staffel die Silbermedaille errang. Die Zeit von 3:14,8min war gleichzeitig Deutscher Rekord. In den Jahren 1928 und 1929 bestritt Richard Krebs insgesamt drei Länderkämpfe. Auch Willi Boltze wird 1928/1929 für zwei Länderkämpfe nominiert. 1928 gewann er den Deutschen Meistertitel über 5000m.

Richard Krebs im Jahre 1926 bei den Deutschen Meisterschaften in Frankfurt. Richard Krebs (mitte) bei der Abfahrt zu den Olympischen Sommerspielen 1928.

1929 durften erstmals auch Frauen an der Alsterstaffel teilnehmen. Der erste Sieg der HSV-Frauen wurde erst 1938 erlaufen.

1930 gewinnt erstmalig die 4x400m-Staffel der Männer den Deutschen Meistertitel. In der Besetzung Abraham, v.Eberstein, Schäfer und Benecke gewann die Staffel in 3:20,6min.

1931 konnte der Titel verteidigt werden. Diesmal siegten Henne, v.Eberstein, Schein und Benecke.

1933 wird Egon Schein gleich zweimal in die Nationalmannschaft berufen. Er startet gegen England in London und in Paris gegen Frankreich. Die 4x400m-Staffel gewinnt wieder den Titel mit Steigerthal, Benecke, Plötz und Schein. Auch 1934 geht in selber Besetzung aber anderer Reihenfolge der Titel an diese Staffel.

1934 wird erstmals seit 1919 (Reinhardt) mit Egon Schein wieder ein HSV'er Deutscher Meister. Er siegt über 200m. In diesem Jahr werden auch erstmalig Europameisterschaften ausgetragen. Diese finden mit zwei HSV'ern in Turin statt. Hans Scheele siegt gleich zweimal: 400m-Hürden in Deutscher Rekordzeit von 53,2sec und mit der 4x400m-Staffel, Egon Schein gewinnt mit der 4x100m-Staffel den Titel. Beide werden darüberhinaus für 3 Länderkämpfe nomiert.

1935 und 1936 wird Hans Scheele erneut Deutscher Meister über 400m-Hürden. Bei den Olympischen Spielen1936 scheitert er als Vorlaufzweiter in 54,6sec. Bis zum Beginn des zweiten Weltkrieges wird Hans Scheele noch für weitere 5 Länderkampfeinsätze nominiert. Den zweiten Weltkrieg überlebte Hans Scheele nicht. Er fiel bei Beginn des sogenannten Russlandfeldzuges im Jahre 1941.

Bei den Olympischen Spielen nahm der amtierende Deutsche 200m-Meister Egon Schein ebenflalls teil. Er schied jedoch im Zwischenlauf über 200m aus. Egon Schein nimmt in den Jahren 1935 bis 1938 noch an 4 Länderkämpfen teil. Unser späteres Vereinsmitglied Karl Hein wird Hammerwurf-Olympiasieger.

Egon Schein (links) gewinnt bei den Deutschen Meisterschaften 1394 über 200m Hans Scheele bei den Olympischen Sommerspielen 1936  

1938 und 1939 wird der spätere HSV-Frauen-Trainer Ernst Rohrssen für zwei Länderkämpfe gegen Dänemark nominiert. Er startet jeweils über 100m und in der Schwedenstaffel. Die 100m gewinnt er 1938 beim Länderkampf in Hamburg. Bei diesem Länderkampf war auch Helmut Henning über 400m am Start (Platz 5 in 51,7sec). Peter Fehring und Peter Hasenclever nahmen an beiden Länderkämpfen teil. Arnold Zismer startete nur 1939 in Kopenhagen über 5000m.

1939 vergrößert sich die Leichtathletik-Abteilung des HSV schlagartig. Der erst 1933 gegründete Hamburger Althletik-Club schließt sich dem HSV an. Der HAC gewann zwischen 1935 und 1939 stets die Alsterstaffel der Männer, 1939 auch bei den Frauen. Durch die Gründung der LG im SV St. Georg gibt es zu Beginn des Krieges eigentlich nur noch zwei Leichtathletik-Vereine in Hamburg: HSV und die LG. Auch sportlich stimmt die Zusammenlegung. Bei den Deutschen Meisterschaften werden die Frauen mit der 4x100m-Staffel mit Margarethe Trenkner und den drei ehemaligen HAC'ern Ilse Schröder, Christa Loch und Elfriede Köhnsen Vizemeister. Bei den Männern werden die ehemaligen HAC'er Rudolf Kröger, Bertram Berberich und Werner Körting Deutscher Meister mit der 3x1000m-Staffel. Die Siegerzeit von 7:28,9min war gleichzeitig ein neuer Deutscher Rekord. Im Jahr zuvor siegten sie mit der 4x1500m-Staffel im Trikot des HAC.

1940 gewinnen die HSV-Frauen ihren ersten Deutschen Meistertitel. In der Besetzung Kröger-Köhnsen-Loch und Kuhlmann-Trenkner geht der Sieg mit der 4x100m-Staffel an den HSV.

1942 wird der frühere HAC-Athlet Werner Körting zum Länderkampf nach Rumänien eingeladen. Er startet in Breslau über 1500m. Im Trikot des HAC bestritt er in den Jahren 1937 bis 1939 noch vier weitere Länderkämpfe für Deutschland. Auch Heinz Hornung startete beim Länderkampf in Breslau. Er gewann die 400m in 50,3sec und mit der 4x400m-Staffel. Heinz Piduhn mußte hingegen bei diesem Länderkampf verletzt über 800m aufgeben. In diesem Jahr gewinnt auch wieder einmal die 4x400m-Staffel der Männer mit Rath, Schreiber, Homburg und Behrend.

1943 verteidigt die 4x400m-Staffel der Männer den Titel. In 3:23,4min gewinnen Rath, Sonntag, Behrend und Homburg.


1945 - 1950

Im September 1945 wurden schon wieder die ersten Hamburger Meisterschaften ausgetragen. Im Oktober folgte ein Städtevergleich gegen den SV Werder Bremen, Post SV Kiel und den VfB Lübeck.

1946 wird in Köln die Zonenmeisterschaft der brit. Besatzungszone ausgetragen. Über 400m siegt in der europäischen Spitzenzeit von 49,0sec der HSV'er Kurt Edel. Edel wird später der erste Präsident des NOK der DDR. In Frankfurt werden die ersten Deutschen Nachkriegsmeisterschaften ausgetragen. Diese finden allerdings ohne die Teilnehmer aus der russischen Besatzungzone statt. Auch hier gewinnt Kurt Edel über 400m, dazu die 4x400m-Staffel der Männer (Pieper, Giesen, Hieke, Edel) sowie die 4x100m-Staffel der Frauen.

Deutscher 4x100m-Meister: Gisela Siefert, Ilse Schmuck, Elfriede Werdier und Ellen Siefert Deutscher Meister mit der 4x400m-Staffel: Ersatzmann Buller, Giesen (Joseph Schröder), Kurt Edel, Hans Hieke und Pieper

1947 wird der Hamburger Verband für Leibesübungen gegründet. Dies ist die Geburtsstunde des heutigen Hamburger Leichtathletik-Verbandes. Der 400m-Titel der Deutschen Meisterschaften geht wieder an den HSV. Diesmal gewinnt Hans Hieke in 49,2sec. Auch die 4x400m-Staffel gewinnt erneut: Wawrczyn, Burwitz, Behrend und Hieke in 3:20,6min

1948 wechselte Gerhard Stöck zum HSV. Stöck war 1936 Olympiasieger im Speerwurf. Mit seinen Leistungen im Kugelstoßen (14,69m), Diskuswurf (44,15m) und Speerwurf (61,45m) steht er zwar nicht mehr in der Ewigen Bestenliste des HSV, doch war das für den mittlerweile 38jährigen auch kaum noch möglich. Von 1950 bis 1975 war Stöck der Leiter des Sportamtes der Freien und Hansestadt Hamburg.

1948 empfing der HSV das Team von M.A.I. Malmö. Damit war der HSV der erste Sportverein in Deutschland, bei dem nach dem zweiten Weltkrieg ausländische Gäste zu Besuch waren. 10.000 Zuschauer besuchten die Veranstaltung auf dem Rothenbaumsportplatz. Der Gegenbesuch erfolgte 1950.

1949 gewinnen die Männer des HSV bereits zum neunten Mal (und vorerst auch leider zum letzten Mal) die Deutsche Meisterschaft mit der 4x400m-Staffel. In der Besetzung Lipphardt,Burnitz, Behrend und Hieke gewinnt die Mannschaft in 3:20,0min.

Die siegreiche 4x400m-Staffel mit Burnitz, Hieke, Lipphardt und Herbert Behrend

 



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